20.04.26 –

Am 19. April haben wir gemeinsam mit dem Neustädter Historiker Herrn Mau die Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof in Neustadt gereinigt. Viele Inschriften sind nun wieder gut lesbar.
Auf dem Friedhof befinden sich über 100 Gräber aus den Jahren 1945 bis 1947. Die meisten erinnern an Opfer der sogenannten „Sammelaktion“ am Strand von Pelzerhaken am 3. Mai 1945. Angehörige von SS und Wehrmacht erschossen Menschen, die nach der Strandung von Lastkähnen versuchten, an Land zu kommen.
Mehrere Grabsteine stehen für Menschen, deren Namen nicht bekannt sind. Auf ihnen sind nur KZ-Nummern und Todesdaten vermerkt.
Besonders bewegt haben uns einige der Gräber: etwa das des kleinen Willi Perle, der im KZ geboren wurde und nur zwei Monate lebte. Auch die letzte Beerdigung auf diesem Friedhof – die des kleinen Lejbele Anzer, geboren im Dezember 1946 im Displaced-Persons-Lager und gestorben im Oktober 1947 in einem Kinderkrankenhaus in Grömitz – macht die Geschichte dieses Ortes sehr greifbar.
Der jüdische Friedhof in Neustadt ist in erster Linie ein religiöser Ort – ein „Haus der Ewigkeit“. Zugleich ist er Gedenk- und Erinnerungsort, ein bedeutendes Kulturdenkmal und auch ein Lebensraum mit einer besonderen biologischen Vielfalt.
Die Anlage ist über viele Jahre weitgehend unverändert geblieben. Dadurch konnten sich verschiedene Pflanzen und Tiere ansiedeln. So finden sich hier unter anderem zahlreiche Insektenarten wie Erdhummeln.
Unsere Arbeit war mehr als nur eine praktische Tätigkeit. Sie hilft, die Erinnerung an die Menschen wachzuhalten, die hier begraben sind, und trägt dazu bei, die Geschichte dieses Ortes sichtbar zu machen.
„Wer die Vergangenheit nicht kennt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.”
— Simon Wiesenthal
Weitere Informationen: https://www.denk-mal-gegen-krieg.de/assets/Uploads/Netzwerk-Erinnerungskultur-Informationen6-2025-Friedhof-Grasweg-Neustadt.pdf