Bündnis 90/Die Grünen

Kreisverband Ostholstein

Kommunale Wärmeplanung Lensahn: Was der aktuelle Entwurf bedeutet

Die kommunale Wärmeplanung ist eines der wichtigsten Klimaschutzprojekte der Gemeinde Lensahn. Sie soll zeigen, wie unsere Gebäude langfristig ohne fossile Brennstoffe beheizt werden können und welche Rolle Gemeinde, Energieversorger, Gebäudeeigentümerinnen und Gebäudeeigentümer dabei jeweils spielen.

Im April 2026 wurde der Entwurf des Abschlussberichts im Ausschuss für Umwelt, Wirtschaft, Verkehr und Bauwesen vorgestellt. Der Ausschuss hat einstimmig empfohlen, den Entwurf zu billigen und zu veröffentlichen. Danach sollen Bürgerinnen und Bürger, Behörden, Träger öffentlicher Belange und weitere Beteiligte sechs Wochen lang Stellungnahmen abgeben können. Die endgültige Entscheidung liegt anschließend bei der Gemeindevertretung.

 

Was Wärmeplanung ist und was nicht

Der Wärmeplan ist eine strategische Landkarte. Er legt nicht für jedes einzelne Haus verbindlich fest, welche Heizung dort eingebaut werden muss. Er zeigt aber, welche Versorgungswege nach heutigem Stand für Lensahn technisch und wirtschaftlich plausibel sind.

Wichtig ist: Der Beschluss über den Wärmeplan löst keine sofortigen neuen Heizungspflichten aus. Nach den Unterlagen zur Sitzung gelten die Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes für Lensahn bei einem Heizungstausch im Bestand nach derzeitigem Stand ab dem 1. Juli 2028. Eine frühere Rechtswirkung könnte nur durch eine zusätzliche spätere Entscheidung über konkrete Wärmenetz- oder Wasserstoffnetzgebiete entstehen. Eine solche Ausweisungsentscheidung ist aktuell nicht vorgesehen.

 

Ausgangslage: Lensahn heizt heute fast vollständig fossil

Der Abschlussbericht beziffert den heutigen Wärmebedarf in Lensahn auf rund 49 Gigawattstunden pro Jahr. Etwa 67,9 Prozent davon entfallen auf Erdgas, 28,1 Prozent auf Heizöl. Holz, Wärmenetze, Umweltwärme und Strom spielen bisher nur eine deutlich kleinere Rolle. Die jährlichen Treibhausgasemissionen aus der Wärmeversorgung werden im Bericht mit rund 12.493 Tonnen CO2-Äquivalent angegeben.

Das zeigt, wie groß die Aufgabe ist. Die Wärmewende in Lensahn wird nicht durch einen einzelnen Beschluss erledigt. Sie betrifft den Gebäudebestand, private Investitionen, kommunale Gebäude, Beratungsangebote, mögliche Netzinfrastruktur und die Frage, wie die Gemeinde ihre eigenen Planungen und Bauleitplanung auf die kommenden Jahre ausrichtet.

 

Das Zielbild für 2040

Schleswig-Holstein strebt Klimaneutralität bis 2040 an. Deshalb arbeitet auch die Lensahner Wärmeplanung mit dem Zieljahr 2040. Im Zielszenario sinkt der Wärmebedarf auf etwa 38 Gigawattstunden pro Jahr. Die künftige Wärmeversorgung soll dann vor allem aus Umweltwärme, Strom, Wärmenetzen und einem kleineren Anteil Holz oder Holzpellets bestehen.

Konkret rechnet der Bericht für 2040 mit 44 Prozent Umweltwärme, 29 Prozent Strom, 20 Prozent Wärmenetzen und 7 Prozent Holz beziehungsweise Holzpellets. Erdgas, Heizöl, Kohle, Wasserstoff und Biomethan spielen im Zielszenario keine Rolle mehr.

 

Die meisten Gebiete bleiben dezentral

Die wichtigste praktische Aussage für viele Eigentümerinnen und Eigentümer lautet: Der größte Teil von Lensahn wird nach aktuellem Planungsstand nicht über ein großes Wärmenetz versorgt, sondern dezentral. Das bedeutet, dass in vielen Gebäuden individuelle Lösungen wie Wärmepumpen, gegebenenfalls ergänzt durch Biomasse, Solarthermie oder kleinere Gebäudenetze, im Mittelpunkt stehen werden.

Das ist für viele Haushalte gleichzeitig Herausforderung und Freiheit. Wer in einem dezentralen Gebiet wohnt, muss die eigene Heizungsumstellung selbst planen, finanzieren und umsetzen. Zugleich kann die Lösung zum jeweiligen Gebäude passen: Gebäudestand, Dämmung, vorhandene Heizflächen, Grundstückssituation, Fördermöglichkeiten und persönliche wirtschaftliche Lage werden eine wichtige Rolle spielen.

Aus unserer Sicht ist deshalb entscheidend, dass die Gemeinde den Wärmeplan nicht nur beschließt, sondern anschließend verständlich erklärt. Bürgerinnen und Bürger brauchen Orientierung: Welche Optionen gibt es im eigenen Gebiet? Wo lohnt sich Beratung? Welche Förderung ist möglich? Welche Schritte sind sinnvoll, wenn in den nächsten Jahren eine Heizung ersetzt werden muss?

 

Wärmenetze: Prüfgebiete Zentrum und Mühlenteich

Zwei Bereiche werden im Bericht als Prüfgebiete für Wärmenetze hervorgehoben: das Zentrum von Lensahn und der Bereich Mühlenteich. Dort ist die Wärmedichte höher, es gibt größere Verbraucher und teilweise öffentliche Gebäude als mögliche Ankerkunden.

Am Mühlenteich besteht bereits ein kleines Nahwärmenetz für öffentliche Gebäude. Das kann langfristig ein Ausgangspunkt für weitere Prüfungen sein. Im Zentrum könnten größere Gebäude, kommunale Liegenschaften und institutionelle Verbraucher eine Rolle spielen. Trotzdem bleibt offen, ob und wann dort tatsächlich Wärmenetze entstehen. Entscheidend sind technische Machbarkeit, Investitionskosten, Fördermittel, ein tragfähiges Betreiberkonzept und genügend Anschlussinteresse.

Der Bericht ist hier bewusst vorsichtig. Für den Bereich Mühlenteich wird eine Umsetzung nicht vor 2030 erwartet. Für das Zentrum ist nach aktuellem Stand nicht vor 2035 mit einer Realisierung zu rechnen. Beides setzt voraus, dass Machbarkeitsstudien positiv ausfallen und sich ausreichend viele potenzielle Anschlussnehmer beteiligen.

 

Kein realistischer Wasserstoffpfad für Lensahn

Ein wichtiger Punkt für die Einordnung ist die Rolle des Gasnetzes. Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass eine vollständige Umstellung des bestehenden Erdgasnetzes auf Wasserstoff oder Biomethan derzeit nicht realistisch erscheint. Es fehlen wirtschaftlich tragfähige Versorgungsoptionen, planbare Infrastruktur und ein belastbares Betriebsmodell.

Damit ist für Lensahn klar: Auf Wasserstoff als spätere Lösung für private Heizungen sollte man nach dem heutigen Stand nicht setzen. Das bedeutet nicht, dass jede einzelne Gasheizung sofort ersetzt werden muss. Es bedeutet aber, dass neue Investitionen in fossile Heizsysteme mit einem wachsenden Risiko verbunden sind, weil das Gasnetz perspektivisch an Bedeutung verliert.

 

Unsere Aufgabe vor Ort: Verständlichkeit und Fairness

Wärmeplanung klingt technisch, betrifft aber sehr persönliche Entscheidungen: das eigene Haus, laufende Kosten, Investitionen und die Frage, was man sich leisten kann. Deshalb muss die Gemeinde aus unserer Sicht vor allem eines leisten: verständliche und faire Orientierung.

Die kommunale Ebene kann die Grundregeln der Wärmewende nicht selbst festlegen. Förderprogramme, Vorgaben für Gebäude, Regeln für Gasnetze und die soziale Abfederung müssen vor allem von Bund und Land kommen. In Lensahn können wir aber dafür sorgen, dass Bürgerinnen und Bürger nicht mit Schlagworten allein bleiben. Die Wärmeplanung sollte deshalb in eine praktische Informations- und Beratungsstruktur übersetzt werden.

Besonders wichtig sind aus unserer Sicht eine gut auffindbare Informationsseite, regelmäßige Aktualisierungen, Hinweise auf Förder- und Beratungsangebote sowie eine seriöse Prüfung der beiden Wärmenetz-Prüfgebiete im Zentrum und am Mühlenteich. Kommunale Gebäude sollten dabei ebenfalls betrachtet werden, denn die Gemeinde muss bei den eigenen Liegenschaften wissen, welche Sanierungen und Heizungsumstellungen in den nächsten Jahren sinnvoll sind.

 

Keine Bevormundung, aber klare Richtung

Wir haben aus der bundesweiten Debatte der letzten Jahre gelernt: Klimaschutz im Gebäudebereich funktioniert nicht gegen die Menschen, sondern nur mit ihnen. Wer eine Heizung erneuern muss, braucht verlässliche Informationen, realistische Förderung und Respekt vor der eigenen Lebenssituation. Politik sollte nicht den Eindruck erwecken, sie wisse aus der Ferne besser, welche Lösung in jedem einzelnen Haus richtig ist.

Genauso gehört aber zur Wahrheit, dass der Markt allein nicht automatisch sozial gerecht entscheidet. Wer früh sanieren und auf eine günstigere erneuerbare Lösung wechseln kann, entlastet langfristig die eigene Haushaltskasse. Wer diese Möglichkeit nicht hat, bleibt möglicherweise länger im Gasnetz. Wenn dort aber immer weniger Anschlüsse die gemeinsamen Kosten tragen, kann genau das für die verbleibenden Haushalte teurer werden.

Diese Entwicklung sollte ein Anlass für vorausschauende Politik sein. Der Bund muss für faire Regeln sorgen, damit Kosten nicht einseitig bei denen landen, die ohnehin weniger Spielraum haben. Die Gemeinde kann das nicht allein lösen. Sie kann aber frühzeitig sichtbar machen, was auf Lensahn zukommt, Beratung vermitteln und darauf drängen, dass soziale Fragen bei der Umsetzung nicht vergessen werden.

Für uns ist die kommunale Wärmeplanung deshalb gegen Orientierungslosigkeit. Sie hilft, private Entscheidungen besser vorzubereiten.

 

Ältere Beiträge und Hintergründe

Zum Thema Wärme, Energie und Klimaschutz in Lensahn haben wir in den vergangenen Jahren bereits mehrfach berichtet:

 

  • Wärmenetze für Lensahn? – Beitrag vom 11. März 2024 zur damaligen Diskussion, ob ein mögliches Nahwärmekonzept vor oder nach der kommunalen Wärmeplanung weiterverfolgt werden sollte.
  • Kommunale Wärmeplanung Lensahn – älterer Stand vom 30. September 2023, als noch Fördermittel und Ausschreibung im Mittelpunkt standen. Einzelne rechtliche Einschätzungen aus diesem Beitrag sind durch die aktuelle Entwicklung überholt.
  • Einfamilienhaus einfach bauen ohne Heizung – Praxisbeispiel zu einem Haus, das durch Bauweise, Materialwahl und Photovoltaik mit sehr wenig klassischer Heiztechnik auskommt.

 

Die öffentlichen Unterlagen zur Bauausschusssitzung vom 22. April 2026 sind im Ratsinformationssystem abrufbar: https://www.lensahn.sitzung-online.de/public/to010?SILFDNR=1344&refresh=false

 

(Transparenzhinweis: Zur Unterstützung bei der Texterstellung wurde ein KI-basiertes Sprachmodell eingesetzt. Die inhaltliche Verantwortung liegt bei der Redaktion des Ortsverbands.)

 



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