Steckersolar, Balkonkraftwerk, Mini-Fotovoltaikanlage – was bedeutet das?
Fotovoltaikanlagen kennt heute fast jeder. Viele Menschen haben solche Anlagen auf dem Dach und speisen den Strom ins Netz ein. Dafür wurden neue Stromzähler installiert, und ein Elektrofachbetrieb hat sichergestellt, dass alles technisch korrekt angeschlossen ist. Die Betreiber mussten beim Netzbetreiber die Einspeisung anmelden und bei der Bundesnetzagentur den Eintrag in das Marktstammdatenregister vornehmen.
Heute gibt es kleine Anlagen, die mit einem Wechselrichter ausgerüstet sind und ganz einfach per Stecker in eine Haushaltssteckdose eingestöpselt werden können. Früher wurden solche Anlagen oft als „Guerilla-PV“ bezeichnet, weil die großen Stromanbieter keine Konkurrenz wollten und auf verschiedene Weise versuchten, diese Anlagen zu verhindern. Es wurden Argumente wie Sicherheitsbedenken oder Netzunverträglichkeit vorgebracht, doch im Kern ging es immer um den Profit. Viele dieser Kleinanlagen wurden ohne Anmeldung beim Netzbetreiber oder der Bundesnetzagentur angeschlossen – und weder brannte ein Haus ab noch kollabierte das Stromnetz.
Inzwischen hat sich die Lage durch die Grünen in der Bundesregierung geändert. Es ist nun möglich, kleine Anlagen bis zu einer Leistung von 800 Watt ohne Absprache mit dem lokalen Netzbetreiber per Stecker ans Hausnetz anzuschließen. Lediglich die Anmeldung bei der Bundesnetzagentur ist erforderlich. Diese informiert dann den Netzbetreiber, der dafür sorgen muss, dass der passende Zähler installiert wird. Solange dies nicht geschieht und der alte Zähler rückwärts läuft, profitieren die Betreiber, da sie weniger für ihren Strom zahlen.
Im Jahr 2023 wurden bereits 300.000 Steckersolargeräte installiert. Zwar bringt jede einzelne Anlage keine große Leistung, doch in der Summe reicht es aus, um den Bedarf von mindestens 55.000 Haushalten zu decken. Die Preise beginnen bei etwa 300 Euro, je nach Anbieter.
Worauf sollte man achten, wenn man eine solche Anlage in Betrieb nehmen will?
Technisch:
Achten Sie immer darauf, dass die Anlage ein CE-Zeichen trägt. Damit bestätigt der Hersteller, dass alle europäischen Normen und Sicherheitsvorschriften eingehalten wurden. Besonders wichtig ist der Netz- und Anlagenschutz (NA-Schutz) im Wechselrichter. Bewahren Sie zudem alle Belege gut auf.
Sorgen Sie für eine sichere Befestigung der Module und des Wechselrichters – letzterer sollte vor Niederschlag geschützt sein, ebenso wie die Steckdose. Bei Unsicherheiten sollte eine fachkundige Person hinzugezogen werden.
Wenn alles beachtet wurde, kann der Schuko-Stecker in die Steckdose.
Rechtlich:
Mieter müssen die Genehmigung ihres Vermieters einholen. Eine Ablehnung ist nur bei schwerwiegenden Gründen zulässig.
Außerdem ist eine Anmeldung für das Marktstammdatenregister bei der Bundesnetzagentur über das Internet erforderlich.
Was bringt die Anlage für den Einzelnen?
Die maximale Einspeiseleistung von 800 Watt wird nur unter Idealbedingungen erreicht. Meist ist es etwas weniger, etwa durch Wolken, Regen oder Schatten von Bäumen.
Nehmen wir an, die Anlage liefert 500 Watt: Beim Bügeln könnte das Bügeleisen, das 1.200 Watt benötigt, dann nur noch 700 Watt aus dem Stromnetz beziehen – der Rest käme von der Fotovoltaikanlage. Bei laufenden Verbrauchern wie dem Kühlschrank oder Standby-Geräten kann die Anlage während der Tageszeit problemlos den Strombedarf decken.
Wer es genau wissen möchte, kann einen kleinen Stromzähler zwischen Steckdose und Stecker der Solaranlage schalten, um den Eigenverbrauch zu messen.
Viele Menschen installieren solche Anlagen eher aus Überzeugung, um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, anstatt aus finanziellen Gründen. Selbst wenn der überschüssige Strom ins Netz fließt, gibt es noch keine Vergütung, wie es bei größeren Anlagen der Fall ist. Doch jeder leistet einen Beitrag zur Energiewende.
Speicher oder nicht?
Eine gute Frage, die ich für mich klar mit „Nein“ beantworte. Die Kosten selbst für kleine Speicher stehen in keinem Verhältnis zur möglichen Ersparnis. Das muss aber jeder für sich entscheiden.
Und das Stromnetz?
Dem Netz geht es weiterhin gut. Die Summe vieler kleiner Anlagen ergibt eine beträchtliche Strommenge, die gar nicht mehr durch das Netz transportiert werden muss. Dazu gibt es nach meinem Wissen jedoch noch keine Studien, nur die Logik.
Wo gibt es weitere Informationen?
Solarenergie Förderverein (SFV): Der Verein bietet viele interessante Beiträge im Internet und in der Mitgliederzeitung „Solarbrief“, die auch für Laien verständlich sind.
Internet: www.sfv.de
E-Mail: zentrale@sfv.de
Deutsche Gesellschaft für Solarenergie e.V. (DGS): Diese bietet Informationen für Fachleute und tiefer Interessierte. Die Mitgliederzeitschrift heißt „SONNENENERGIE“.
Internet: www.sonnenenergie.de
E-Mail: info@dgs.de
Einen Steckersolar-Simulator gibt es von der HTW Berlin:
https://solar.htw.berlin.de/rechner/stecker-solar-simulator/
Die Bundesregierung will ihre Sozialreformen vom Sommer voranbringen. Doch der Widerstand wächst – bei Familien, in der Gesellschaft und auch [...]
Deutschlandweit wird am 26. September demonstriert. Egal ob Du selbst betroffen bist, als Beschäftigte*r, Unternehmer*in eines [...]
Die Mieten bei Neuvermietungen steigen gerade in Ballungszentren trotz der existierenden Mietpreisbremse immer stärker an. Hohe Mieten werden [...]